Giftige Vogelkäfige

 
 
Verzinkte Gitter, Futtergefässe und anderes Käfig-Zubehör

Tierärztliche Vogelspezialisten sehen in den für die Haltung von Ziervögeln verwendeten galvanisierten metallischen Materialien ein deutlich unterschätztes Gefährdungs-potenzial.  Zumindest bei Sittichen und Papageien gehen sie aufgrund recherchierter Patienten-Daten von einer klar unterdiagnostizierten Häufigkeit chronischer Zink-Vergiftungen durch Anknabbern oder Bearbeiten entsprechender Käfig-Strukturen aus.

Die im englischen Sprachraum auch als „New Wire Disease“ (= Neue Drahtgitter-Erkrankung) bezeichnete Erkrankung tritt unter Heimvögeln vermehrt bei Papageienartigen auf. Betroffen sind also vor allem jene Vögel, die ihren Schnabel als drittes Bein mit Vorliebe zum Klettern benützen und viel Ausdauer und „Schnabel“fertigkeit entwickeln, alles nur Erdenkliche Greifbare intensiv mit Schnabel und/oder Zunge zu erforschen und zu bearbeiten.  In der Februar-Ausgabe 2009 der Fachzeitschrift „Kleintiermedizin“ erörtert eine auf die Behandlung von gefiederten Patienten spezialisierte Kleintierärztin in einer Übersichtsstudie brisante und aktuelle Details im Zusammenhang mit Zinkvergiftungen bei Heimvögeln.

Typische Vergiftungsquellen

Als Vergiftungsquellen in Frage kommen gemäss der Recherche folgende Materialien und Gegenstände:  Feuerverzinkte Volierengitter mit so genannten Zinknasen (nach dem Eintauchen in flüssigem Zink auf den Gittern verbleibende metallische Abtropfspuren), durch  Säuren (liegen gebliebene Obstreste) oder Wasser (Bad, Dusche, Tränk- oder Futterbehälter)angegriffene verzinkte Oberflächen, galvanisierte Käfiggitter oder verzinkter Maschendraht, metallische Futter- oder Wassernäpfe, Haken, Ringe, Karabiner oder andere Aufhängungen für Futter, Spielzeug und Kletterobjekte, zum Spielen angebotene ungeeignete Gegenstände (z.B. Münzen, Ketten, Miniatur-Spiegel in entsprechenden Fassungen), Wandanstriche mit Zinkverbindungen und anderes mehr.  Zu Krankheitssymptomen oder Vergiftungserscheinungen kommt es, sobald die Vögel grössere Mengen ablecken und absichtlich oder unabsichtlich abschlucken. Langeweile, Stress (infolge Überbelegung, Zusammenbringen unverträglicher Individuen, Krankheit, Mauser, etc.), Fehlen von genügend geeigneten und ungefährlichen Spielobjekten, zu wenig strukturiertes und zu wenig abwechslungsreiches Futter, Grit-, sowie generell Mineralien- und Vitaminmangel begünstigen bei entsprechendem „Angebot“ die Giftaufnahme.

Viele und unspezifische Symptome

Da es sich bei Zink-Vergiftungen mehrheitlich um chronische Erkrankungen mit schleichendem Verlauf bei ausgewachsenen, zum Teil sogar älteren Heimvögeln handelt, werden sie oft nicht ursächlich erkannt oder therapiert. Die häufigsten Krankheitszeichen einer chronischen Vergiftung sind Nieren-, Magendarm- und Blutbild-Veränderungen. Die Patienten fallen in der Regel durch vermehrtes Trinken und Ausscheiden von Harn(säure), durch schlechten Appetit und Gewichtsverlust bis hin zur Abmagerung, durch episodenhafte Durchfälle und Erbrechen sowie durch Blutarmut und durch daraus resultierende allgemeine Müdigkeit und Schwäche auf. In der Literatur werden im Zusammenhang mit vermuteten oder nachgewiesenen Zink-Vergiftungen auch Befiederungsstörungen, Federrupfen (vermutet werden nervliche Ursachen) und Fruchtbarkeitsstörungen genannt. Alle aufgeführten Symptome treten jedoch einzeln oder sogar kombiniert ebenso oft bei vielen anderen chronischen Erkrankungen auf. Insbesondere wenn gleichzeitig mehrere bis alle Vögel eines Bestandes mehr oder weniger stark betroffen sind, gilt der erste Verdacht meist einer ansteckenden und somit infektiösen Ursache.

Text und Bild: Christina Sigrist

Bild: Männlicher Nymphensittich

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© 3/2009 - Ch. Sigrist