Ratten - ideale Heimtiere?

 
 

Ob Ratten (und dabei ist die Mehrzahl keineswegs unbeabsichtigt gewählt!) für Sie ideale Heimtiere sind, hängt davon ab, ob Sie diesen Nagern das bieten können, was sie für ein erfülltes und erfüllendes, in der Regel eher kurzes Rattendasein zwingend benötigen.

Ratten sind überaus faszinierende, sehr lernfähige, um nicht zu sagen intelligente und äusserst anpassungsfähige Tiere. Da es sich bei ihnen jedoch um sehr junge Haustiere handelt, bestimmt ihr biologisches Erbe (unsere „Zuchtratten“ stammen allesamt von der Wanderratte ab) dennoch das Gros ihrer Haltungsansprüche.

Ratten sind obligat soziallebend. Sie brauchen also Kontakt zu mindestens einem, besser jedoch mehreren vertrauten Artgenossen. Gleichzeitig sind sie aber auch sehr clan-orientiert. Erwachsene Tiere (und nicht nur Böcke) bekämpfen fremde Eindringlinge, egal welcher Couleur, v.a. im eigenen Territorium oder in der Nähe von wichtigen Ressourcen zum Teil erbittert. Das heisst, Ratten sollten möglichst schon als 2-3 monatige Jungtiere vergesellschaftet werden.

Ratten sind neugierige, flinke, wendige und sehr aktive Tiere. Ihr Haltungsumfeld muss also allerlei Schlupf-, Versteck-, Kletter-, Balancier-, Aussichts- und Erkundungsmöglichkeiten bieten. Dies kann fast nur mit regelmässigem Freilauf ausreichend berücksichtigt werden. Die äusserst scharfen und nimmermüden Nagerzähne machen jedoch vor fast gar nichts halt. Innert kürzester Zeit werden Elektrokabel, Abdeckungen und Verkleidungen, ja sogar Einrichtungsgegenstände und Pflanzen nicht nur angeknabbert, sondern vielmehr „geschreddert“. Und stubenrein sind Ratten ebenfalls nicht!

Ratten sind keine Vegetarier. Andere Heimtiere, wie kleine Ziervögel, Aquariumsfische oder Gliedertiere passen wunderbar in ihr Beuteschema! Gleichzeitig gibt es aber auch keine Garantie für ungetrübte Freundschaft mit im selben Haushalt lebenden Katzen, Hunden, Frettchen (oder grossen Schlangen).


Als eigentliche Nachttiere schätzen die pfiffigen Tiere grelles (Tages)Licht keinesfalls. Lieber halten sie sich tagsüber „bedeckt“, um nach dem Eindunkeln richtig aktiv zu werden.

Ratten sind aber auch aus anderen Gründen keine Kuscheltiere für Kinder im Vorschulalter. Längst nicht alle werden handzahm, viele bleiben zeitlebens menschenscheu und können sich, wenn sie sich bedrängt oder verunsichert fühlen, empfindlich zubeissen.


Leider werden Ratten auch nicht gerade alt (ihre durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 2-3 Jahre). Verhältnismässig jung erkranken viele von ihnen vornehmlich an Lungen-Gesäuge- oder Extremitäten-Tumoren. Ratten sind auch speziell anfällig für grippale Infekte der Atemwege und einige andere ansteckende Krankheiten des Menschen. Das heisst, Ratten sind zwar günstig in der Anschaffung und auch die Aufwendungen für Behausung, Einstreumaterial, Futter, Spielsachen und dergleichen sind moderat. Jedoch übersteigen die Tierarztkosten bei Krankheiten und Unfällen schnell ein Mehrfaches des ursprünglichen Kaufpreises dieser Heimtiere.

Überdurchschnittlich häufig reagieren Menschen allergisch auf Haare, Hautschuppen, Urin- und Speichelspuren von Ratten. Typisch sind stark juckende Hautausschläge, anschwellende Augenlider, triefende Nasen oder asthmatische Beschwerden.


Ratten sind also keineswegs anspruchslose  Heimtiere für Jedermann. Artgerecht gehalten, ausreichend beschäftigt und liebevoll und einfühlsam betreut, werden sie jedoch schnell zu echten „Kumpeln“ und Team-Playern, sorgen für Abwechslung und Aufheiterung und bereichern den Alltag ihrer zweibeinigen Wohngenossen.

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Einzel“knast“- absolut keine Haltungs-Option für eine Ratte!

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