Stichworte zu den wichtigsten Erkrankungen

 
 

Meerschweinchen reagieren besonders empfindlich auf gewisse Antibiotika, insbesondere solche mit einem ausschliesslich auf einen bestimmten Bakterientypus fokussierten Wirkspektrum. Paradebeispiel ist das Penicillin, das bei diesen an und für sich sehr robusten Nagern sogar tödliche Zwischenfälle provoziert. Die selektive Vernichtung der normalen und lebenswichtigen Darmflora führt zu einer ungehemmten Vermehrung atypischer Bakterien, deren Stoffwechselprodukte einen Vergiftungsschock auslösen.
Eine weitere, in der Regel erst nach Tagen bis Wochen tödlich endende Krankheit bei Meerschweinchen äussert sich durch Verstopfung, Appetitverlust, Atembeschwerden kombiniert mit Gehschwäche, Zittern, Muskelzuckungen und fortschreitende Lähmungserscheinungen, die schliesslich zur vollständigen Paralyse (Bewegungsunfähigkeit) führen. Es handelt sich um eine infektiös bedingte Gehirn-Rückenmark-Entzündung, deren Erreger bis heute noch nicht definitiv identifiziert werden konnte.

Meerschweinchen unterscheiden sich auch in anderer Hinsicht von allen übrigen Nagern. Wie die Menschen sind nämlich auch sie absolut auf von aussen (durch die Nahrung) zugeführtes Vitamin C angewiesen. Die untrüglichen Anzeichen eines Vitamin-C-Mangels sind Zahnfleischbluten, Zahnlockerung und Zahnverlust, Entzündungen der Maulwinkel und übermässiger Speichelfluss. Sehr schmerzhafte Skelettmuskel-Blutungen sind für Bewegungsstörungen und ausgeprägte Bewegungsunlust verantwortlich, und, nicht anders als beim Menschen, besteht die Gefahr von spontanen Knochenbrüchen.

Im Verlaufe der Trächtigkeit riskieren ausgerechnet besonders gut genährte, aber konditionell schwache, gestresste und/oder abrupt energetisch unterversorgte Weibchen, einer sogenannten Trächtigkeits-Vergiftung (=Gestations-Toxikose) zu erliegen. Es handelt sich um eine Stoffwechsel-Entgleisung mit fulminantem Verlauf und sehr schlechter Prognose.

Nicht selten werden Meerschweinchen zudem von tierartspezifischen Haarlingen, den Läusen verwandten Hautparasiten, heimgesucht. Die sehr unruhigen und mitunter extrem berührungsempfindlichen, von starkem Juckreiz geplagten Patienten kratzen sich bisweilen blutig. Es kommt zu Haarverlust und grossflächigen nässenden, später verschorfenden Hautverletzungen.

< Zurück

© 2/2014 - Ch. Sigrist

Meerschweinchen mit typischer Selbstverletzung beim Haarlings“bad“