Freilandhaltung im Winter

 
 

Es spricht absolut nichts dagegen, Meerschweinchen ganzjährig, also auch im Winter, bei kalten Temperaturen, draussen zu halten. Hätten diese sehr robusten und genügsamen Nager die Wahl, würden sie Kälte und Schnee sogar (hoch)sommerlichen Temperaturen und Sonnenschein vorziehen!

Natürlich dürfen Tiere, die noch nie während längerer Zeit Freilauf geniessen konnten, nicht ausgerechnet bei Minustemperaturen auf permanente Freiland-Haltung umgestellt werden! Ebensowenig ist es ratsam, Meerschweinchen, die in den Sommermonaten draussen untergebracht waren, ausgerechnet jetzt in oft überheizte, trockene, wenig gelüftete Innenräume zu verbannen. Absolut zu vermeiden ist insbesondere häufiger Wechsel zwischen Innen- und Aussenhaltung, sei dies tage- oder sogar lediglich stundenweise. Die schnellen Klimawechsel strapazieren die Anpassungsfähigkeit der kleinen Nager. Überforderung und Stress aber macht sie besonders anfällig für Infekte des Atem- und des Verdauungstraktes. 


Nichts für zweibeinige Wintermuffel


Winter-Aussenhaltung von Meerschweinchen und anderen „winterharten“ Nagern ist aber nichts für zweibeinige Stubenhocker! Denn Freiland-Tiere sind während der kalten Tage besonders betreuungsintensiv.

So müssen ihnen jederzeit genügend und nicht zu kleine trockene, wind- und wettergeschützte Unterschlupfe sowie mindestens ein ebensolcher grossräumiger und sicherer Wohn- und Komfortplatz (z.B. Hütte) zur Verfügung stehen. Während der Wintermonate sollte man den pfiffigen Pelztieren zusätzlich zum Heu und Stroh etwas energiedichteres Futter, eigentliches Kraftfutter (Körner, Pellets, Riegel, etc.) anbieten. Saft- bzw. Frischfutter in Form von Äpfeln, Mandarinen, Orangen, Karotten, Fenchel, Chinakohl, Lattich, Wirz, Sellerie, Cichorée, Broccoli und Co. darf auch keinen Fall fehlen. So ist sichergestellt, dass der erhöhte Bedarf an vor allem wasserlöslichen Vitaminen gedeckt ist. Fichten-Äste, Zweige von Obst- bzw. Laubbäumen, Wurzel- und Rindenstücke ergänzen den möglichst abwechslungsreichen und ausgewogenen Menuplan. Es versteht sich von selbst, dass Wasser nicht fehlen darf. Aber aufgepasst: Frischfutter und Wasser dürfen nie anfrieren! Deshalb wählt man eine diesbezüglich vorteilhafte Futterstelle, füttert und tränkt die Meerschweinchen mehrmals täglich „portionenweise“, trocknet das angebotene Vitaminfutter vorgängig gut ab und verwendet lauwarmes Wasser.


Im Winter darf ab und an sogar „Kraftfutter“ angeboten werden.


Hochland-Steppenbewohner auf Urlaub am Meer


Meerschweinchen sind die „Schweinchen, die über’s Meer“ zu uns gekommen sind. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet sind die alpinen Gras-Steppen Südamerikas.  Bestens angepasst an ein ganzjährig einseitiges und eher nährstoffarmes Raufutterangebot, fühlen sie sich als Bergbewohner vor allem in dem auf 4000 m. ü. M. eher kühlen und trockenen Hochgebirgs-Klima wohl. Die verhältnismässig kurze Zeit ihrer Haustierhaltung in unseren Breitengraden bringt es mit sich, dass sie sich wohl in etwa so fühlen wie „Bergler“, die am Strand Urlaub machen! Hohe Aussentemperaturen, wenig strukturierte = faserarme Nahrung, (Energie)futter und zu wenig schattige und kühle Rückzugsbereiche bekommen ihnen also wesentlich weniger gut als feucht-kalte Wintertage mit einem grosszügigen Angebot an Heu und vitaminreichen Beilagen in einer gut strukturierten und abwechslungsreichen Umgebung!


Text und Bilder ©petadvice

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© 8/2011 - Ch. Sigrist

Auch im Winter ein Thema- ausreichend, trockene und nicht zu knapp bemessene Unterschlupf-Möglichkeiten

Foto: Priska Küng www.tierwelt.ch