Von Protest-Pinklern und Angst-Pissern

 
 

Es gibt zwar nicht tausend, aber immerhin sehr viele und sehr unterschiedliche Gründe dafür, dass eine Hauskatze ihren Urin nicht am dafür vorgesehenen Ort deponiert. Fast immer ist die pinkelnde oder pissende Katze gestresst, verunsichert oder gar verängstigt. Strafen, in welcher Form auch immer, wird folglich das Unsauberkeits- oder Markier-Problem über kurz oder lang verschlimmern.

Harnmarkieren ist geruchliche Kommunikation und somit Teil des kommunikativen Normalverhaltens von Katzen. Grundsätzlich markieren alle Katzen mit Urin, sowohl Kater wie Kätzinnen, kastrierte Tiere ebenso wie intakte. Sie tun dies vor allem im territorialen  und im sexuellen Kontext. Einerseits hinterlassen sie beim Pinkeln ihnen wichtige riechbare Botschaften an Nachfolgende. Andererseits versehen sie beliebte und häufig benutzte, aber typischerweise auch neue, unbekannte und unvertraute, irritierende Objekte und Plätze mit ihrer individuellen Duft- bzw. Geschmacksnote. Erst wenn etwas nach ihr riecht, fühlt sie eine Katze richtig wohl, sicher und „zu Hause“. Neue Möbel bzw. generell neue Einrichtungsgegenstände, neue Hausgenossen bzw. deren Utensilien und Kleidungsstücke müssen also erst „in Beschlag genommen“ werden! Ganz ähnlich verhält es sich, wenn Liege- und Komfortplätze, Spielobjekte und dergleichen mehr mit Mitbewohnern geteilt werden. Harnmarkieren hat also Mitteilungs-Charakter („auch ich halte mich zeitweise hier auf oder beanspruche diesen Gegenstand zeitweilig und lege deshalb Wert auf persönliches und individuelles Ambiente“) und vermag das „Selbstwertgefühl“ der pinkelnden Katze (zumindest vorübergehend) zu stärken. Der gezielte Strahl an die eben erst gelieferte Designer-Couch, das Harnspritzen in Richtung der Schuhablage, wo die Arbeitsschuhe stehen oder das Setzen einer unmissverständlichen Duftspur auf dem Fenstersims, nachdem die verhasste Nachbarskatze triumphierend vorbeistolziert ist, dies alles lässt sich also einfach nachvollziehen bzw. ist für bestimmte Katzen ein absolutes Muss!

Urinieren an dafür nicht vorgesehenen, ungeeigneten oder untypischen Orten hingegen erweist sich als absolut unnatürliches Verhalten. Möglicherweise hat es die Katze nie (richtig )gelernt oder es wurden ihr nie entsprechende Strukturen und Örtlichkeiten angeboten. War sie aber zuverlässig „stubenrein“, ist das konsequente oder auch nur zeitweilige Meiden der Katzentoilette als ein Akt der Verzweiflung, als Notlösung in von ihr als auswegslos empfundenen Situationen zu werten. Dies gilt für das (einmalige) Schreck- oder Angst-„Bisi“ genau so wie für die regelmässig abgesetzte (riesen)grosse Pfütze in irgendeinem versteckten Winkel des Hauses, im Rückzugsbereich oder am Schlafplatz  der piselnden Katze. Vielleicht ängstigt sich diese vor einer Zweitkatze im Haushalt, vielleicht hat sie jemand heftig erschreckt oder arg belästigt, als sie auf dem Kistchen war, vielleicht steht dieses lediglich an einer neuen, (in ihren Augen) falschen Stelle.

Katzen, die die Katzentoilette als Rückzugsort und Schlafplatz benützen,

werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach an einem anderen Ort versäubern.

Dies sind nur ein paar typische Auslöser für stress- oder angstbedingtes Harnen ausserhalb der Katzentoilette. Diagnostisch wie therapeutisch ist es unabdingbar, zu klären, ob es sich um Markieren oder Urinieren handelt. Erst dann kann gezielt und katzengerecht interveniert werden. Negatives, sich als Strafe erweisendes Eingreifen, „verschiebt“ das Problem in der Regel nur. Jegliche Form zusätzlicher Irritation oder Verunsicherung festigt das Fehlverhalten, so auch der Einsatz von Fernhalte-Sprays oder anonymes Bestrafen mittels gezielten Anspritzens aus dem Blumen-Zerstäuber.

Weiterlesen: Unsauberkeitsprobleme bei Katzen im Bereich „Medizinisches

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Ängstliche Katzen neigen überdurchschnittlich häufig zu Unsauberkeitsproblemen