Kriterien für eine harmonische Kaninchen-Gruppe

 
 

Kaninchen möchten vor allem eines: eine tragende, feste und absolut harmonische Beziehung! Und dies natürlich nicht mit irgendeinem Partner, sondern mit einem Artgenossen.

Auch in grösseren Gruppen ist diese gelebte Zweisamkeit ein auffälliges  Verhaltensmerkmal. Selbst Wildkaninchen, die in Kolonien von bis zu 30 Tieren (in der Regel bis zu 10 erwachsene Böcke und Häsinnen samt Nachwuchs) sehr territoriumsbezogen leben, gehen z.T. lebenslange Bindungen mit einem andersgeschlechtlichen Partner ein.  Rammler nehmen es dabei offenbar mit der häuslichen Treue nicht so genau, Zibben jedoch verhalten sich mehrheitlich monogam.

Wenn man Kaninchen vergesellschaften möchte, sollte man bedacht und weitblickend vorgehen. Ein paar wichtige Anhaltspunkte sollten dabei nach Möglichkeit berücksichtigt werden:

Die Partner sollten sich nach Möglichkeit in ihrer Persönlichkeit ergänzen (ein selbstsicheres, forderndes, dominantes Tier und ein eher unterordnungsbereites, zurückhaltendes, defensiv orientiertes Tier), also keine Vergesellschaftung nach dem Motto „Gleich und gleich gesellt sich gern“, sondern eher nach der Devise „Gegensätze ziehen sich an „ (und ergänzen sich zu einem harmonischen Ganzen)


In Weibchen-Gruppen, selbst wenn es sich um Wurfgeschwister oder Mütter mit Töchtern handelt, kommt es in der Regel spätestens im Zuchtreife-Alter (ca. 6.-8. Lebensmonat) zu mitunter äusserst aggressiven Rangordnungskämpfen


Gleichgeschlechtliche Partner sind in der Regel so lange verträglich, bis beide oder auch nur einer der beiden die Geschlechtsreife erreicht ( das ist bereits ab dem 3.-4.Lebensmonat der Fall), d.h. eine ideale Partnerschaft  entwickelt sich in der Regel zwischen männlichen Wurfgeschwistern, die früh kastriert (im Alter von 12-16 Wochen) werden (bei Schwestern fällt die Prognose deutlich reservierter aus, selbst wenn diese ebenfalls vor ihrer Pubertät kastriert werden)


Nach Erreichen der Geschlechtsreife zusammengebrachte (potente) männliche Kaninchen tolerieren sich meistens nicht


„Echte“ Paare, also Zibben und (kastrierte) Rammler harmonieren in der Regel gut; idealerweise ist der Bock dabei mindestens gleich alt oder sogar älter als die Häsin.


Die Gruppen-Vergesellschaftung von Kaninchen ist wesentlich anspruchsvoller und „störungsanfälliger“ als die Paarhaltung.


Das den Tieren zur Verfügung stehende Territorium spielt in der Gruppenhaltung eine zentrale Rolle; u.a. muss es ausreichend Versteckmöglichkeiten und Zugänge zu Untertag-Gängen und –Räumen haben (mehr Ein- und Ausgänge als Tiere!)


Entweder ist das Geschlechter-Verhältnis in der Gruppe ausgewogen oder es wird für einen „Überhang“ an kastrierten Böcken gesorgt- wenn sich zu viele Weibchen einen männlichen Partner „teilen“ müssen, sind Probleme in der Regel vorprogrammiert


Kaninchen sind aber auch Persönlichkeiten und haben individuelle Vorlieben und Antipathien. Dies erklärt, wieso sich längst nicht alle Vergesellschaftungen unter ihnen problemlos realisieren lassen. Und selbst wenn die Vorbedingungen ideal sind, ist dem Zusammenführen selbst grosse Bedeutung beizumessen. Einander nicht vertraute Tiere müssen in mehreren Schritten, anfänglich zumindest „mechanisch“ getrennt voneinander, später nach Territoriums- und Geruchs-Tausch, kontrolliert zusammengebracht und ausreichend lange im Anschluss daran aufmerksam beobachtet werden.

Blenden als Sichtschutz bewähren sich in der Grossgruppenhaltung von Kaninchen sehr

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Erst zu zweit (oder zu mehreren) mit einem Partner, der sie ideal ergänzt, sind Kaninchen wirklich glücklich! Einsam an oder auf der Spitze ist für Kaninchen niemals einsame Spitze!

© 8/2011 - Ch. Sigrist